Flagge Litauen

Litauen und der Euro

Euro eingeführt

Stand Oktober 2026: Litauen ist EU-Mitglied seit 2004 und nutzt den Euro seit dem 1. Januar 2015 als gesetzliches Zahlungsmittel. Das Land ist vollständig in die Eurozone integriert, die seit dem Beitritt Bulgariens am 1. Januar 2026 aus 21 Mitgliedstaaten besteht. Ein weiterer währungspolitischer Schritt steht für Litauen nicht an.

EU-Beitritt und Weg zum Euro

Litauen trat 2004 der Europäischen Union bei. Das Land hatte den Litas schon zuvor über ein Currency-Board-System fest an eine Ankerwährung gebunden – zunächst an den US-Dollar, ab 2002 an den Euro. Wie aus dieser stabilen Ausgangslage am Ende trotzdem ein zweiter Anlauf wurde, zeigt der Abschnitt weiter unten.

WKM II und Konvergenz

Litauen trat im Juni 2004 dem Wechselkursmechanismus II bei. Ein erster Versuch, den Euro 2007 einzuführen, scheiterte an der Inflationsrate. Die Konvergenzkriterien erfüllte Litauen schließlich 2014 vollständig. Der EU-Rat beschloss im Juli 2014 die Euro-Einführung zum 1. Januar 2015, der Umrechnungskurs lag bei 3,45280 Litas je Euro.

Bedeutung

Mit Litauens Beitritt ist das Baltikum vollständig in die Eurozone integriert. Der gescheiterte erste Anlauf 2006 zeigte, dass die Konvergenzkriterien auch für ein gut vorbereitetes Land eine reale Hürde sein können.

Litauens Weg zum Euro im Detail

Der Weg vom Litas zum Euro zog sich über ein Jahrzehnt und verlief in zwei getrennten Anläufen. Litauen war damit das letzte der drei baltischen Länder im Euroraum, nach Estland (2011) und Lettland (2014) – obwohl es bereits 2004, gemeinsam mit Estland, dem Wechselkursmechanismus II beigetreten war.

Currency Board und erste Zielmarke 2007

Schon in der Zwischenkriegszeit hatte Litauen einen eigenen Litas; nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion knüpfte das Land 1993 an diese Tradition an und band die Währung per Currency Board zunächst an den US-Dollar, ab 2002 an den Euro. Diese feste Bindung sorgte für Preisstabilität und erleichterte dem Land den Beitritt zum Wechselkursmechanismus II im Juni 2004, nur Wochen nach dem EU-Beitritt. Die Regierung unter Ministerpräsident Algirdas Brazauskas strebte die Euro-Einführung zum 1. Januar 2007 an und hielt dafür über Jahre eine strikte Haushaltsdisziplin ein.

Die Ablehnung 2006

Im Frühjahr 2006 geriet der Zeitplan ins Wanken. Der Konvergenzbericht der Europäischen Kommission stellte fest, dass Litauens Inflationsrate von 2,7 Prozent den Referenzwert von 2,6 Prozent um 0,1 Prozentpunkte überschritt. Währungskommissar Joaquín Almunia erklärte, Litauen erfülle alle Konvergenzkriterien – außer dem der Preisstabilität. Vilnius reagierte verärgert und warf Brüssel „Erbsenzählerei“ vor; der damalige EBRD-Chefvolkswirt Willem Buiter hielt das Inflationskriterium für eine kleine, schnell wachsende Volkswirtschaft wie Litauen ohnehin für wenig aussagekräftig. Brazauskas verwies auf die im Beitrittsvertrag zugesagte Euro-Einführung, doch die Staats- und Regierungschefs folgten beim Gipfel am 15. und 16. Juni 2006 der Kommissionsempfehlung und lehnten den Antrag ab. Tschechien, Ungarn, Polen und die Slowakei stellten sich in einer gemeinsamen Erklärung hinter Litauen und forderten eine flexiblere Auslegung des Inflationskriteriums – ohne Erfolg. Präsident Valdas Adamkus akzeptierte die Entscheidung, mahnte aber, eine zu starre Auslegung der Kriterien dürfe nicht zum dauerhaften Hindernis werden.

Finanzkrise und ein zweiter, längerer Anlauf

Notenbankchef Reinoldijus Šarkinas rechnete zunächst mit einer Euro-Einführung 2009 oder 2010, Finanzminister Zigmantas Balčytis nannte später 2010 als frühestmöglichen Termin. Die globale Finanzkrise durchkreuzte diese Pläne: Litauens Wirtschaft brach 2009 um rund 14,5 Prozent ein – einer der stärksten Einbrüche in der gesamten EU, ausgelöst durch das Ende des kreditfinanzierten Booms der Vorkrisenjahre. Das Haushaltsdefizit stieg weit über die Maastricht-Grenze von 3 Prozent. Im Januar 2010 nannte Šarkinas das Defizit als Hauptproblem und verschob die Zielmarke auf 2014.

Konvergenz und Ratsbeschluss 2014

2013 bekräftigte die neue Regierung von Ministerpräsident Algirdas Butkevičius, Finanzminister Rimantas Šadžius und Notenbankchef Vitas Vasiliauskas das Ziel, den Euro zum 1. Januar 2015 einzuführen. Am 4. Juni 2014 bestätigten die Konvergenzberichte von EZB und EU-Kommission, dass Litauen alle Kriterien erfüllte. Der EU-Rat beschloss daraufhin im Juli 2014 die Euro-Einführung; der Umrechnungskurs wurde auf 3,45280 Litas je Euro festgelegt – exakt der bisherige Leitkurs im WKM II.

Bargeldumstellung und die ersten Jahre

Am 1. Januar 2015 löste der Euro den Litas ab, Litauen wurde als letztes baltisches Land 19. Mitglied der Eurozone. Ministerpräsident Butkevičius zog in Vilnius symbolisch den ersten Zehn-Euro-Schein aus einem Automaten. Die litauischen Euromünzen zeigen den Vytis, das Reiterwappen des Landes – das Motiv setzte sich 2005 in einem Wettbewerb mit 54 Einreichungen von 14 Künstlern durch, gewonnen hat der Entwurf von Antanas Žukauskas.

In der Bevölkerung war die Stimmung vor der Umstellung gespalten: Eine Eurobarometer-Umfrage im September 2014 fand nur 47 Prozent Zustimmung zum Euro, bis November 2014 stieg sie auf rund 53 Prozent. Medienberichte beschrieben verbreitete Sorgen vor einer „Teuro“-Preiswelle, ähnlich wie zuvor in anderen Euro-Ländern. Laut Eurostat-Schätzung lag der tatsächliche einmalige Preiseffekt der Umstellung nur bei 0,04 bis 0,11 Prozentpunkten zusätzlicher Inflation – die befürchtete Teuerungswelle blieb damit aus. Seither ist Litauen vollständig in den Euroraum integriert, ohne dass sich an diesem Status etwas geändert hätte.

Zeitleiste

  • 1994: Litas im Currency-Board-System an den US-Dollar gebunden
  • 2002: Bindung des Litas an den Euro
  • 2004 (1. Mai): EU-Beitritt Litauens
  • 2004 (Juni): Beitritt zum Wechselkursmechanismus II
  • 2006 (Mai): Konvergenzbericht bemängelt zu hohe Inflation
  • 2006 (15./16. Juni): EU-Rat lehnt Euro-Einführung zum 1. Januar 2007 ab
  • 2009: Schwere Rezession infolge der globalen Finanzkrise
  • 2010 (Januar): Notenbank nennt 2014 als neue Zielmarke
  • 2013: Regierung Butkevičius setzt erneut Kurs auf 2015
  • 2014 (4. Juni): Konvergenzberichte von EZB und Kommission fallen positiv aus
  • 2014 (Juli): EU-Rat beschließt Euro-Einführung, Umrechnungskurs 3,45280 Litas je Euro
  • 2015 (1. Januar): Euro löst Litas ab, Litauen wird 19. Mitglied der Eurozone
  • 2026 (1. Januar): Eurozone wächst mit Bulgarien auf 21 Mitglieder

Quellen

Euromünzen (seit 2015)

Euromünzen bestehen aus einer gemeinsamen europäischen Wertseite und einer national gestalteten Rückseite. Litauen trat der Eurozone am 1. Januar 2015 als 19. Mitglied bei. Wie Estland entschied sich Litauen für ein einheitliches nationales Motiv auf allen acht Stückelungen.

Das Motiv – der Vytis, der geharnischte Ritter zu Pferd mit gezogenem Schwert – ist das zentrale Symbol des litauischen Staatswappens. Der Entwurf stammt von Antanas Žukauskas und wurde von der Lietuvos Bankas bereits 2005 ausgewählt, Jahre vor dem tatsächlichen Eurobeitritt.

Der Vytis hat eine lange Geschichte: Als heraldisches Symbol des Großfürstentums Litauen ist er seit dem 14. Jahrhundert belegt. Auf den Euromünzen ist er vor einem Hintergrund aus feinen Linien zu sehen; links steht das Münzzeichen, rechts oben die Jahreszahl, und der Name „LIETUVA” ist auf allen Nominalen aufgeprägt.

Dass Litauen wie Estland ein einziges Motiv für alle Stückelungen wählte, spiegelt eine ähnliche Designphilosophie wider: Eindeutigkeit und Wiedererkennbarkeit vor motivischer Vielfalt. Der Vytis gilt als eines der ältesten noch aktiven Staatssymbole Europas.

Euromünze 2 Euro litauen – nationale Seite
2 Euro
Euromünze 1 Euro litauen – nationale Seite
1 Euro
Euromünze 50 Cent litauen – nationale Seite
50 Cent
Euromünze 20 Cent litauen – nationale Seite
20 Cent
Euromünze 10 Cent litauen – nationale Seite
10 Cent
Euromünze 5 Cent litauen – nationale Seite
5 Cent
Euromünze 2 Cent litauen – nationale Seite
2 Cent
Euromünze 1 Cent litauen – nationale Seite
1 Cent

Stand: 01. Oktober 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr · Über uns

Häufige Fragen zu Litauen und dem Euro

Hat Litauen den Euro?

Ja. Litauen hat den Euro am 1. Januar 2015 eingeführt und nutzt ihn als offizielles Zahlungsmittel.

Welche Währung hat Litauen?

Die offizielle Währung von Litauen ist Euro (zuvor Litas).

Ist Litauen in der EU?

Litauen ist Mitglied der Europäischen Union (seit 2004).

Was zeigen die Euromünzen von Litauen?

Alle litauischen Münzen zeigen den Vytis – den Reiter aus dem litauischen Staatswappen.