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26.06.15 23:27

Griechenland und der Euro – Wie realistisch ist der Grexit?

 

Das wohl heisseste Thema ist aktuell und schon seit geraumer Zeit die Griechenland-Krise und der mögliche Austritt des Landes aus der EU. Fundamental gesehen argumentieren viele Ökonomen pro Gexit, weil sich das Land auf diese Weise viel schneller aus der Schuldenmisere befreien könnte und einen größeren Anreiz für Reformen bestehen würde.

Auf der anderen Seite argumentieren Gegner der Theorie, dass für die übrigen EU-Staaten viel mehr auf dem Spiel stehen würde. Nicht nur der Verlust der ausstehenden Zahlungsverpflichtungen ist höher, sondern darf auch die Ansteckungsgefahr nicht unterschätzt werden, die in Folge eines deutlichen Risses in dem Gebilde EU auf andere Länder übergreifen könnte.

Darüber hinaus wird der Wettbewerbseffekt einer schwachen Währung, die im Falle eines Grexits in Form der Drachme wieder eingeführt würde, überschätzt. Diese ist nur dann vorteilhaft, wenn der Exportsektor einen nicht unerheblichen Anteil am BIP-Wachstum trägt, was im Falle von Griechenland definitiv nicht der Fall ist.

Ist ein Grexit dennoch wahrscheinlich?

Im Zuge der aktuellen Verhandlungen scheint Griechenland nun endlich einen Schritt auf die Kreditgeber zu zugehen, wenn auch eine Einigung noch nicht erreicht werden konnte. Die Finanzmärkte honorieren diesen Schritt. Der deutsche Leitindex DAX verzeichnete am letzten Montag den höchsten Tagesgewinn seit drei Jahren.

Sollte eine Einigung noch in dieser Woche erzielt werden, so ist ein Grexit in diesem Monat wohl ausgeschlossen. Laut Umfrage der Investmentberatung Sentix halten sich Pessimisten und Optimisten unter den Investoren in etwa die Waage. Von den eintausend Marktakteuren, die über das Wochenende befragt wurden, gaben 48,3 % an, dass sie einen Grexit bis zum Ende des Jahres für wahrscheinlich halten. Im Mai waren es noch 35,5 %.

Alleine rechtlich ist jedoch ein Grexit fraglich, denn für den Fall, dass Griechenland pleite geht, gibt es auf der Vertragsebene gar keine Regelungen dafür Griechenland aus dem Euro auszuschließen. Ein Land muss von alleine austreten wollen. Das kommt für die neue griechische Regierung jedoch kaum in Frage, denn gewählt wurde sie nicht nur aufgrund dessen, dass sie den Kampf gegen die auferlegten Sparmaßnahmen bestreiten wollte, sondern sich auch für den Verbleib in der EU stark machte.

 

Fazit

Ein Grexit wäre nicht auszuschließen, jedoch ist es unwahrscheinlich, dass er zu dem aktuell gegebenen Zeitpunkt erfolgt. Die Verhandelnden scheinen um jeden Preis eine Lösung herbei führen zu wollen auch wenn sie wissen, dass sie damit nur Zeit gewinnen. Eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands bedeutet jedoch nicht zwangsläufig ein Grexit, wie es einem die breite Masse der Medien erklärt.

Die mediale Verknüpfung des Wortes Grexit mit der möglichen Zahlungsunfähigkeit des Landes, dient mehr dazu Druck auf die griechische Regierung aus zu üben als Fakten dar zu stellen. Denn das griechische Volk hat laut Umfragen, gar kein besonderes Interesse aus der EU aus zu treten. Darüber hinaus stellt sich die Krise nun eher in Form der fehlenden Bankenliquidität dar, der die EZB mit der Ausweitung der ELA-Kredite entgegen tritt. Alleine das ist schon ein Indiz dafür, dass keiner der Beteiligten an einem Grexit interessiert ist.


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