Flagge Bulgarien

Bulgarien und der Euro

Euro eingeführt

Stand Oktober 2026: Bulgarien nutzt seit dem 1. Januar 2026 den Euro und ist das 21. Mitglied der Eurozone. Die Einführung fiel mit einer politischen Krise zusammen: Nur wenige Wochen zuvor war die Regierung von Ministerpräsident Rosen Scheljaskow nach wochenlangen Protesten zurückgetreten. Der Euro kam trotzdem pünktlich – zunächst unter einer geschäftsführenden Regierung, ab Februar 2026 unter einer Übergangsregierung, bis im April 2026 Neuwahlen stattfanden.

Bulgarien gehört seit dem EU-Beitritt 2007 zur Europäischen Union und hatte kein Opt-out von der Euro-Pflicht.

Der Weg von der Lew zum Euro

Eine entscheidende Vorarbeit lag schon lange vor der Einführung: Die Lew war seit 1997 über ein Currency Board fest an die D-Mark und später an den Euro gekoppelt – zu einem unveränderlichen Kurs von 1,95583 Lew je Euro. Dieser über Jahrzehnte stabile Wechselkurs erleichterte die spätere Umstellung erheblich.

WKM II und Konvergenz

Am 10. Juli 2020 trat Bulgarien gemeinsam mit Kroatien dem Wechselkursmechanismus II bei – der zweijährigen „Wartephase“ vor der Euro-Einführung, verbunden mit dem Beitritt zur europäischen Bankenunion.

Die Konvergenzkriterien zu Preisstabilität, öffentlichen Finanzen, Wechselkursstabilität und langfristigen Zinsen wurden im EZB-Konvergenzbericht vom Juni 2025 als vollständig erfüllt bewertet. Am 8. Juli 2025 beschloss der Rat der EU die Euro-Einführung zum 1. Januar 2026.

Umstellung im Alltag

Der Umtauschkurs blieb mit 1,95583 Lew je Euro der bekannte Currency-Board-Kurs. Seit August 2025 mussten Preise in Geschäften doppelt in Lew und Euro ausgezeichnet werden – eine Regelung, die bis August 2026 galt, um Verbraucher vor versteckten Preiserhöhungen zu schützen.

Bulgariens Weg zum Euro im Detail

Erste Anläufe und jahrelange Verschiebung

Bulgarien trat am 1. Januar 2007 gemeinsam mit Rumänien der Europäischen Union bei. Schon vorher hatte die Gemeinschaft dem Land am 26. September 2006 Auflagen gegen organisierte Kriminalität, Geldwäsche und Korruption auferlegt, verbunden mit der Drohung finanzieller Sanktionen. Kurz nach dem Beitritt kündigte der damalige Regierungschef Sergej Stanischew bei einem Treffen mit EZB-Präsident Jean-Claude Trichet an, den Euro bereits 2009 einführen zu wollen. Dagegen sprach vor allem die Inflation: 2007 lag die Teuerung bei 12,5 % und damit weit über dem Referenzwert der Konvergenzkriterien. BNB-Chef Iwan Iskrow räumte schon vor dem EU-Beitritt ein, dass Bulgarien die Kriterien wohl nicht vor 2010 erfüllen werde. Die Regierung verschob das Zieldatum zunächst auf 2013. Als das Haushaltsdefizit 2009 infolge der globalen Finanzkrise weiter stieg, erklärte Ministerpräsident Boiko Borissow im April 2010, vorerst ganz auf einen Beitrittsantrag zu verzichten. In den Folgejahren konsolidierte Bulgarien seinen Haushalt spürbar: 2012 lag das Defizit bereits unter 1 % des BIP und damit deutlich innerhalb der Maastricht-Grenze von 3 %. Parallel zur wirtschaftlichen Annäherung lief seit dem EU-Beitritt 2007 das Kooperations- und Kontrollverfahren (CVM) der EU-Kommission, mit dem Brüssel Fortschritte Bulgariens bei Justizreform und Korruptionsbekämpfung überwachte. Erst im September 2023 – nach mehr als 16 Jahren – erklärte die Kommission das Verfahren für abgeschlossen, was auch den Weg für den Schengen-Beitritt zu Luft- und Seewegen zum Jahresbeginn 2024 ebnete.

Neuer Anlauf ab 2018

Erst 2018 nahm Bulgarien einen neuen Anlauf. Finanzminister Wladislaw Goranow kündigte im Juni 2018 den baldigen Antrag auf Teilnahme am Wechselkursmechanismus II an, verbunden mit dem gleichzeitigen Beitritt zur Bankenunion – beide Schritte stützten sich auf ein Maßnahmenpaket, das die bulgarische Regierung der Eurogruppe bereits in einer Absichtserklärung von 2018 zugesagt hatte. Weil der Lew bereits seit 1997 fest an den Euro gebunden war, erfüllte das Land das Wechselkurskriterium von Beginn an; in allen übrigen Punkten stand Bulgarien zu diesem Zeitpunkt besser da als mancher langjährige Euro-Staat. Das angepeilte Beitrittsdatum zum WKM II verschob sich mehrfach – von Ende April 2020 auf Juli 2020 –, ehe Bulgarien am 10. Juli 2020 zusammen mit Kroatien tatsächlich aufgenommen wurde.

Konvergenzprüfung und Ratsbeschluss 2025

Die Konvergenzberichte von EZB und EU-Kommission vom Juni 2025 bestätigten, dass Bulgarien alle vier nominalen Kriterien erfüllte: Preisstabilität, öffentliche Finanzen, Wechselkursstabilität und langfristige Zinsen. Am 8. Juli 2025 billigte der Rat der EU mit der Verordnung (EU) 2025/1408 die Euro-Einführung zum 1. Januar 2026. Bulgarien wurde damit zum 21. Mitglied der Eurozone – der erste Beitritt seit Kroatien 2023 und nach 19 Jahren EU-Mitgliedschaft der formale Abschluss eines Prozesses, der ursprünglich für 2009 geplant war.

Proteste und Regierungskrise vor dem Stichtag

Der Zeitplan geriet kurz vor dem Stichtag politisch unter Druck. Ende November 2025 begannen Massenproteste gegen den geplanten Haushalt 2026, der Steuererhöhungen vorsah. Organisiert wurden sie unter anderem von der EU-kritischen Partei Wasraschdane, die sich grundsätzlich gegen den Euro-Beitritt positionierte; ein Büro der EU-Kommission in Sofia wurde dabei in Brand gesetzt. Am 11. Dezember 2025 kündigte Ministerpräsident Rosen Scheljaskow den Rücktritt seiner Regierung an, das Parlament nahm den Rücktritt am 12. Dezember mit 127 zu 0 Stimmen an. Die Euro-Einführung zum 1. Januar 2026 fand trotzdem wie geplant statt – Bulgarien trat der Eurozone ohne reguläre, aber mit einer geschäftsführenden Regierung bei. Am 19. Februar 2026 übernahm eine Übergangsregierung unter Andrej Gjurow, bevor am 19. April 2026 eine vorgezogene Parlamentswahl stattfand.

Stimmung in der Bevölkerung

Umfragen zeigten im Vorfeld eine gespaltene Bevölkerung: Nach dem Eurobarometer vom Frühjahr 2025 befürworteten 43 % der Bulgaren die Euro-Einführung, 50 % lehnten sie ab. Nahezu die Hälfte der Befragten befürchtete steigende Preise nach der Umstellung, während die Regierung auf die wirtschaftlichen Vorteile verwies: Fast die Hälfte der bulgarischen Exporte geht in den Euroraum, wofür künftig keine Umrechnungskosten mehr anfallen.

Zeitleiste

  • 2006 (26. September): EU knüpft Bulgariens Beitritt an Auflagen gegen Korruption und organisierte Kriminalität.
  • 2007 (1. Januar): EU-Beitritt Bulgariens.
  • 2007: Regierungschef Stanischew kündigt Euro-Ziel 2009 an; Inflation liegt bei 12,5 %.
  • 2010 (April): Ministerpräsident Borissow erklärt den Verzicht auf einen baldigen Euro-Beitrittsantrag.
  • 2018 (Juni): Finanzminister Goranow kündigt Antrag auf WKM-II-Teilnahme an.
  • 2020 (10. Juli): Beitritt zum Wechselkursmechanismus II und zur Bankenunion, gemeinsam mit Kroatien.
  • 2025 (Juni): EZB- und Kommissions-Konvergenzbericht bestätigt Erfüllung aller Kriterien.
  • 2025 (8. Juli): Rat der EU beschließt Euro-Einführung zum 1. Januar 2026.
  • 2025 (August): Beginn der doppelten Preisauszeichnung in Lew und Euro.
  • 2025 (26. November): Beginn der Massenproteste gegen den Haushaltsentwurf 2026.
  • 2025 (11./12. Dezember): Regierung Scheljaskow tritt zurück.
  • 2026 (1. Januar): Euro-Einführung, Bulgarien wird 21. Mitglied der Eurozone.
  • 2026 (19. Februar): Übergangsregierung unter Andrej Gjurow übernimmt.
  • 2026 (19. April): Vorgezogene Parlamentswahl.

Quellen

Euromünzen (seit 2026)

Mit der Euro-Einführung am 1. Januar 2026 hat Bulgarien eigene nationale Münzseiten erhalten. Wie bei allen Euro-Ländern ist die Wertseite europaweit einheitlich, während die Rückseite („nationale Seite”) von jedem Mitgliedstaat selbst gestaltet wird.

Die Motive

Bulgarien greift Motive auf, die für die nationale Identität und Geschichte stehen:

  • 1 bis 50 Cent: der Madara-Reiter – ein in Fels gehauenes Reliefbild aus dem 8. Jahrhundert und UNESCO-Weltkulturerbe. Alle sechs Cent-Stückelungen zeigen dasselbe Motiv.
  • 1 Euro: der heilige Iwan von Rila (Iwan Rilski), Schutzpatron Bulgariens, dargestellt mit Kreuz und Schriftrolle.
  • 2 Euro: der heilige Paisi von Hilandar, Wegbereiter der bulgarischen Wiedergeburt. Auf dem Münzrand steht in kyrillischer Schrift „БОЖЕ ПАЗИ БЪЛГАРИЯ” – „Gott schütze Bulgarien”.

Auf allen Münzen erscheinen der Landesname БЪЛГАРИЯ in kyrillischer Schrift sowie die zwölf Europasterne. Mit Bulgariens Beitritt ist das Kyrillische als dritte offizielle EU-Schrift auch auf den Euro-Geldscheinen präsent.

Einordnung

Als jüngstes Mitglied der Eurozone steht Bulgarien für die fortlaufende Erweiterung der gemeinsamen Währung. Die Münzen sind im gesamten Euroraum gültiges Zahlungsmittel – ebenso wie die Münzen aller anderen Euro-Länder in Bulgarien.

Euromünze 2 Euro bulgarien – nationale Seite
2 Euro
Euromünze 1 Euro bulgarien – nationale Seite
1 Euro
Euromünze 50 Cent bulgarien – nationale Seite
50 Cent
Euromünze 20 Cent bulgarien – nationale Seite
20 Cent
Euromünze 10 Cent bulgarien – nationale Seite
10 Cent
Euromünze 5 Cent bulgarien – nationale Seite
5 Cent
Euromünze 2 Cent bulgarien – nationale Seite
2 Cent
Euromünze 1 Cent bulgarien – nationale Seite
1 Cent

Stand: 01. Oktober 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr · Über uns

Häufige Fragen zu Bulgarien und dem Euro

Hat Bulgarien den Euro?

Ja. Bulgarien hat den Euro am 1. Januar 2026 eingeführt und nutzt ihn als offizielles Zahlungsmittel.

Welche Währung hat Bulgarien?

Die offizielle Währung von Bulgarien ist Euro (zuvor Lew).

Ist Bulgarien in der EU?

Bulgarien ist Mitglied der Europäischen Union (seit 2007).

Was zeigen die Euromünzen von Bulgarien?

Alle Cent-Münzen zeigen den Madara-Reiter (UNESCO-Welterbe), die 1-Euro-Münze den heiligen Iwan von Rila und die 2-Euro-Münze den heiligen Paisi von Hilandar. Der Landesname „БЪЛГАРИЯ" steht in kyrillischer Schrift.