Stand Oktober 2026: Dänemark bleibt außerhalb der Eurozone. Das Land ist seit 1973 EU-Mitglied, hat aber ein dauerhaftes Opt-out vom Euro und nutzt weiterhin die Dänische Krone. Ein Referendum zur Abschaffung des Opt-outs ist nicht angekündigt, die politische Debatte darüber ist ruhig. Gleichzeitig hält die Nationalbank die Krone über den Wechselkursmechanismus II seit 1999 ununterbrochen stabil an den Euro gekoppelt – wirtschaftlich verhält sich Dänemark damit bereits weitgehend wie ein Euroland.
Das dänische Opt-out
Rechtlich verankert ist das Opt-out im Protokoll zum Maastricht-Vertrag. Es erlaubt Dänemark, auch bei Erfüllung aller Konvergenzkriterien nicht zum Euro überzugehen – anders als EU-Staaten ohne Opt-out, die zur Einführung verpflichtet sind, sobald sie die Bedingungen erfüllen.
Dänemarks Weg zum Euro im Detail
Das gescheiterte erste Maastricht-Referendum (1992)
Am 2. Juni 1992 lehnte die dänische Bevölkerung den Vertrag von Maastricht in einem Referendum knapp ab – mit 50,7 % Nein-Stimmen. Da der Vertrag die Einführung einer gemeinsamen europäischen Währung vorsah, geriet damit auch die dänische EU-Mitgliedschaft insgesamt unter Druck, denn eine Ratifizierung durch alle Mitgliedstaaten war Voraussetzung für das Inkrafttreten des Vertrags. Das dänische Nein traf die übrige Gemeinschaft überraschend hart: Frankreich billigte denselben Vertrag nur zwei Monate später, am 20. September 1992, in einem eigenen Referendum nur knapp mit 51,0 % Ja-Stimmen. Für die EU-Partner stand damit das gesamte Vertragswerk zur Disposition, solange keine Lösung für Dänemark gefunden war.
Der Edinburgh-Beschluss und das zweite Referendum (1992–1993)
Um die Ratifizierung doch noch zu ermöglichen, einigten sich die Staats- und Regierungschefs der EU im Dezember 1992 beim Europäischen Rat in Edinburgh auf eine Reihe von Ausnahmeregelungen für Dänemark. Diese betrafen unter anderem die gemeinsame Verteidigungspolitik, die Unionsbürgerschaft, die Innen- und Justizpolitik – und ein dauerhaftes Opt-out von der dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion, also vom Euro. Auf dieser Grundlage stimmte die dänische Bevölkerung am 18. Mai 1993 in einem zweiten Referendum mit 56,8 % für die Ratifizierung des Maastricht-Vertrags samt Opt-out-Paket.
Die Bestätigung des Opt-outs (2000)
Rund sieben Jahre später wagte die dänische Politik einen neuen Anlauf: Am 28. September 2000 stimmte die Bevölkerung erneut ab, diesmal gezielt über die Frage, ob Dänemark den Euro einführen und das Opt-out damit aufheben solle. Mit rund 53,2 % stimmte eine Mehrheit dagegen. Seitdem hat keine dänische Regierung ein neues Euro-Referendum angesetzt.
Enge Kopplung über den WKM II trotz Opt-out
Trotz des Opt-outs trat die dänische Krone zum 1. Januar 1999 – zeitgleich mit der Einführung des Euro als Buchgeld in den ersten Eurostaaten – freiwillig dem Wechselkursmechanismus II bei. Die Bandbreite ist dabei außergewöhnlich eng: ±2,25 % um den Leitkurs von 7,46038 Kronen je Euro, während der für andere WKM-II-Mitglieder übliche Korridor ±15 % beträgt. Dänemarks Nationalbank verfolgt dieses Fixkurs-Ziel durchgehend seit den frühen 1980er-Jahren – zunächst gegenüber der D-Mark, seit 1999 gegenüber dem Euro – und hat den Leitkurs seit Januar 1987 nicht mehr verändert. Für die kleine, außenhandelsorientierte dänische Volkswirtschaft mit engen Handelsverflechtungen zum Euroraum importiert die Fixkurspolitik auf diese Weise die Preisstabilität der EZB, ohne dass Dänemark dafür geldpolitische Entscheidungsgewalt an die Eurozone abtreten oder den Euro als Bargeld einführen müsste.
Zusammenarbeit mit der EZB trotz Opt-out
Das Opt-out hindert Dänemark nicht an praktischer Zusammenarbeit mit dem Eurosystem, wenn es um die Stabilität der Krone geht. In der Finanzkrise richteten die Europäische Zentralbank und Danmarks Nationalbank am 27. Oktober 2008 eine gegenseitige Swap-Vereinbarung über 12 Milliarden Euro ein, um die Versorgung der dänischen Märkte mit kurzfristigen Euro-Mitteln abzusichern. Eine solche Liquiditätslinie wäre ohne die enge Kopplung der Krone an den Euro über den WKM II in dieser Form nicht nötig gewesen.
Ein Präzedenzfall: das Ende des Verteidigungs-Opt-outs
Dass ein dänisches EU-Opt-out grundsätzlich abschaffbar ist, zeigte sich 2022 an einem anderen der vier Edinburgh-Ausnahmen. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine setzte die dänische Regierung eine Volksabstimmung über das Opt-out bei der EU-Verteidigungspolitik an. Am 1. Juni 2022 stimmten bei einer Wahlbeteiligung von 65,8 % rund 66,9 % für die Abschaffung dieses Opt-outs, nur 33,1 % dagegen. Das Verteidigungs-Opt-out fiel damit, während das Euro-Opt-out unverändert bestehen blieb – ein Hinweis darauf, dass die Dänen zwischen den vier Ausnahmeregelungen des Edinburgh-Beschlusses sehr unterschiedlich urteilen.
Zeitleiste
- 2. Juni 1992: Referendum lehnt den Maastricht-Vertrag mit 50,7 % ab.
- Dezember 1992: Edinburgh-Beschluss räumt Dänemark Ausnahmeregelungen ein, darunter das Euro-Opt-out.
- 18. Mai 1993: Zweites Referendum ratifiziert den Vertrag mit Opt-out-Paket (56,8 % Ja).
- 1. Januar 1999: Die dänische Krone tritt dem WKM II bei, Euro-Einführung als Buchgeld in den ersten Eurostaaten.
- 28. September 2000: Referendum über die Euro-Einführung scheitert mit rund 53,2 % Nein-Stimmen.
- 27. Oktober 2008: EZB und Nationalbank vereinbaren eine Euro-Swap-Linie über 12 Milliarden Euro zur Krisenabsicherung.
- 1. Juni 2022: Referendum schafft das dänische EU-Verteidigungs-Opt-out ab (66,9 % Ja) – das Euro-Opt-out bleibt davon unberührt.
- 2026: Das Euro-Opt-out besteht unverändert fort, ein neues Referendum darüber ist nicht angekündigt.
Quellen
- EUR-Lex: Dänemark – Klausel über die Nichtteilnahme an der WWU
- Danmarks Nationalbank: Fixed exchange rate policy – FAQ
- Wikipedia: 1993 Danish Maastricht Treaty referendum
- Wikipedia: Danish opt-outs from the European Union
- Deutsche Bundesbank: EZB-Monatsbericht zur Finanzkrise 2009 (Swap-Vereinbarungen)
- Wikipedia: 2022 Danish European Union opt-out referendum
Euromünzen
Anders als die meisten EU-Mitglieder hat Dänemark den Euro nie eingeführt. Das Land verfügt über ein vertraglich verankertes Opt-out, ausgehandelt im Vertrag von Maastricht. Bei einem Referendum am 28. September 2000 stimmten 53,2 Prozent der dänischen Bevölkerung gegen einen Beitritt zur Eurozone – die Dänische Krone bleibt bis heute die offizielle Währung.
Dennoch existieren Entwürfe für dänische Euromünzen: Am 22. August 2000 stellte die dänische Regierung auf einer Pressekonferenz das vorbereitete Design aller acht Stückelungen vor. Die Entwürfe sahen für die kleineren Nominale (1, 2 und 5 Cent) die königliche Krone vor, während die mittleren und größeren Stückelungen (10 Cent bis 2 Euro) das Porträt von Königin Margrethe II. zeigen sollten – ein Bild, das auch die damaligen dänischen Kursmünzen zu 10 und 20 Kronen zierte.
Diese Entwürfe wurden nie in Münzen umgesetzt. Sie entsprechen auch nicht mehr den EU-Gestaltungsrichtlinien von 2008, die nach dem Referendum überarbeitet wurden.
Dänemark nimmt zwar am Europäischen Wechselkursmechanismus (WKM II) teil – die Krone ist eng an den Euro gebunden – ist aber weiterhin kein Mitglied der Eurozone. Es gibt keinen offiziell festgelegten Beitrittstermin. Solange kein neues Referendum stattfindet und eine Mehrheit der Däninnen und Dänen dem Euro zustimmt, werden keine dänischen Euromünzen geprägt.








Stand: 01. Oktober 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr · Über uns
Häufige Fragen zu Dänemark und dem Euro
Hat Dänemark den Euro?
Nein. Dänemark hat den Euro bisher nicht eingeführt. Die aktuelle Währung ist Dänische Krone.
Welche Währung hat Dänemark?
Die offizielle Währung von Dänemark ist Dänische Krone.
Ist Dänemark in der EU?
Dänemark ist Mitglied der Europäischen Union (seit 1973).
Warum hat Dänemark trotz WKM II keinen Euro?
Dänemark nimmt am Wechselkursmechanismus II teil, hält aber an seiner eigenen Währung fest und führt den Euro aufgrund einer Ausnahmeregelung (Opt-out) nicht ein.