Stand Oktober 2026: Tschechien hat kein Zieldatum für den Euro und ist nicht im Wechselkursmechanismus II. Die Ende 2025 angetretene Regierung von Premier Andrej Babiš lehnt den Euro ab. Die Koalitionsparteien SPD und Motoristé wollen die tschechische Krone sogar in die Verfassung schreiben – dafür fehlt ihnen aber die nötige Mehrheit.
Tschechien ist seit 2004 EU-Mitglied und hat kein Opt-out. Rechtlich ist das Land damit zur späteren Einführung des Euro verpflichtet. Einen Zeitpunkt legt der Vertrag aber nicht fest, und ohne WKM-II-Antrag beginnt die Uhr nicht zu laufen.
Wo Tschechien bei den Kriterien steht
Wirtschaftlich steht Tschechien im Vergleich der übrigen Nicht-Euro-Länder solide da: Inflation und langfristige Zinsen lagen beim EZB-Konvergenzbericht vom Juni 2026 unter den Referenzwerten, die Staatsverschuldung liegt unter der 60-%-Grenze. Gegen Tschechien läuft anders als gegen Polen, Ungarn und Rumänien auch kein Defizitverfahren. Trotzdem erfüllt das Land laut EZB die Voraussetzungen nicht vollständig: Es nimmt nicht am WKM II teil, und auch die rechtliche Konvergenz des Notenbankrechts ist nicht gegeben.
Regierung gegen Euro, Präsident dafür
Premier Babiš bezeichnet den Euro laut Medienberichten als weiteren Verlust an Souveränität. Im Mai 2026 schaffte die Regierung die jährlichen Berichte über die Euro-Reife des Landes ab. Staatspräsident Petr Pavel sprach sich im Juni 2026 wiederholt für den Euro aus – ein Konflikt zwischen Staatsoberhaupt und Regierung, der die tschechische Euro-Debatte seit Jahren prägt.
Tschechiens Weg zum Euro im Detail
EU-Beitritt und erste Zieldaten (2004–2009)
Tschechien trat der EU 2004 bei, ursprünglich mit dem Ziel, den Euro 2008 einzuführen. Bereits im Herbst 2005 musste Premierminister Jiří Paroubek dieses Datum als unhaltbar abschreiben. Sein damaliger Finanzminister Bohuslav Sobotka kündigte daraufhin an, die Krone frühestens 2010 durch den Euro abzulösen – aus dem Finanzministerium hieß es, ein zu hohes Haushaltsdefizit mache einen früheren Termin unmöglich. Nach dem Regierungswechsel Ende 2006 bezweifelte auch der neue Ministerpräsident Mirek Topolánek die Einhaltung dieses Termins, und Finanzminister Vlastimil Tlustý erteilte dem Euro für 2010 eine endgültige Absage. Damit war binnen weniger Jahre das zweite Zieldatum gefallen, ohne dass Tschechien dem Wechselkursmechanismus II auch nur beigetreten wäre.
Verschobene Termine und Finanzkrise (2009–2015)
Die Regierung wollte zunächst Reformen finanzieren und die Infrastruktur ausbauen, etwa den Breitband-Ausbau, bevor sie sich ernsthaft mit dem Euro befasste – beides gleichzeitig sei nach eigener Darstellung nicht zu stemmen. Verbreitet war zudem die Sorge, die Einhaltung der Konvergenzkriterien könnte die Wirtschaftsdynamik bremsen, während die Industrie selbst auf einen baldigen Beitritt drängte, um Wechselkursrisiken im Exportgeschäft loszuwerden. Die globale Finanzkrise ließ Tschechien in eine Rezession rutschen, die seit Jahren angekündigten Reformen kamen kaum voran, und die Nationalbank drängte zunächst auf die Stabilisierung der heimischen Wirtschaft. Obwohl in Politik und Wirtschaft grundsätzlich Einigkeit bestand, dass der Euro irgendwann kommen sollte, rechnete niemand mehr mit einer Einführung vor 2015. In Umfragen sprachen sich zu dieser Zeit nur rund 7 % der Tschechinnen und Tschechen für den Euro aus, rund 77 % wollten die Krone behalten.
Zeman, Fiala und die lange Funkstille (2013–2021)
Staatspräsident Miloš Zeman warb in diesen Jahren für eine Euro-Einführung „in etwa fünf Jahren“, während die Tschechische Nationalbank dem eher skeptisch gegenüberstand. Einen festen Termin legte keine Regierung mehr fest – zu oft waren in der Vergangenheit Daten genannt und wieder verworfen worden. Auch die liberal-konservative Regierung von Premier Petr Fiala, die 2021 antrat, machte den Euro nicht zu einem aktiven Projekt, obwohl sie insgesamt EU-freundlicher auftrat als ihre Vorgänger. Schon nach dem Regierungswechsel 2017 hatte sich die damalige Regierung ausdrücklich gegen eine Euro-Einführung ausgesprochen und wollte für einen möglichen künftigen Beitritt eine Sonderregelung aushandeln, um nicht für Rettungskredite anderer Euro-Staaten haften zu müssen – eine Forderung, die in Brüssel keine Aussicht auf Erfolg hatte und seither nicht weiterverfolgt wurde.
Die Regierung Babiš seit 2025 und der Verfassungsstreit
Bei der Parlamentswahl am 4. Oktober 2025 wurde Babišs ANO mit rund 34,5 % stärkste Kraft und kam auf 80 der 200 Sitze – ein deutlicher Zugewinn gegenüber 27,1 % im Jahr 2021. Das bürgerliche Bündnis SPOLU des bisherigen Premiers Petr Fiala landete mit 23,4 % abgeschlagen dahinter – ein Comeback für Babiš, der zuvor vier Jahre lang als Oppositionschef amtiert hatte. Babiš bildete eine Koalition mit der rechtsnationalen SPD und der wirtschaftsliberal-populistischen Partei Motoristé, die am 15. Dezember 2025 vereidigt wurde und über 108 der 200 Sitze verfügt – zu wenig für eine verfassungsändernde Mehrheit, aber genug, um das Thema Euro für die laufende Legislaturperiode politisch zu beerdigen. Die Koalition legte einen Verfassungsentwurf von Parlamentspräsident Tomio Okamura (SPD) und Vizepremier Petr Macinka (Motoristé) vor, der den Satz festschreiben soll: „Die Währung der Tschechischen Republik ist die tschechische Krone.“ Für eine Verfassungsänderung braucht es drei Fünftel der Stimmen im Abgeordnetenhaus, also 120 von 200 – die Koalition hat 108. Auch der Senat müsste mit drei Fünfteln zustimmen, die proeuropäische Opposition lehnt den Vorschlag ab. Ohne diese Mehrheit bleibt der Entwurf vorerst ein politisches Signal ohne rechtliche Wirkung – stellvertretend für einen Streit, der sich damit auf Jahre hinaus eher in Wahlkämpfen als in Verhandlungen mit der EU entscheiden dürfte.
Zeitleiste
- 2004: EU-Beitritt Tschechiens.
- Herbst 2005: Premier Paroubek erklärt das Ziel 2008 für unhaltbar.
- 2006: Finanzminister Sobotka nennt 2010 als neuen, frühestmöglichen Termin.
- Ende 2006: Regierungswechsel zu Topolánek, der Termin 2010 wird erneut infrage gestellt.
- 2009: Finanzkrise und Rezession verzögern alle Reformpläne.
- 2017: Regierungswechsel, neue Regierung lehnt den Euro ausdrücklich ab.
- 4. Oktober 2025: ANO unter Babiš gewinnt die Parlamentswahl mit 34,5 %.
- 15. Dezember 2025: Koalition aus ANO, SPD und Motoristé wird vereidigt.
- Mai 2026: Regierung schafft die jährlichen Euro-Reife-Berichte ab.
- Juni 2026: Präsident Pavel spricht sich erneut für den Euro aus.
- 24. Juni 2026: EZB-Konvergenzbericht bescheinigt solide Wirtschaftsdaten, aber keine Beitrittsreife.
- 2026: Koalition legt Verfassungsentwurf zur Krone vor, Mehrheit fehlt bisher.
Quellen
- EZB: Konvergenzbericht, Juni 2026
- Europäische Kommission: Convergence Report 2026 (PDF)
- bpb: Parlamentswahl in Tschechien 2025
- Landesecho: Pavel drängt auf Euro-Beitritt, Regierung hält an Krone fest
- constitutionnet.org: Government of Czech Republic wants to enshrine currency in constitution
Künftige Euromünzen
Zur konkreten Gestaltung künftiger Euromünzen dieses Landes ist bislang nichts bekannt – die nationalen Münzmotive werden erst im Zuge eines Euro-Beitritts festgelegt.
Stand: 01. Oktober 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr · Über uns
Häufige Fragen zu Tschechien und dem Euro
Hat Tschechien den Euro?
Nein. Tschechien hat den Euro bisher nicht eingeführt. Die aktuelle Währung ist Tschechische Krone.
Welche Währung hat Tschechien?
Die offizielle Währung von Tschechien ist Tschechische Krone.
Ist Tschechien in der EU?
Tschechien ist Mitglied der Europäischen Union (seit 2004).
Wann führt Tschechien den Euro ein?
Tschechien hat kein verbindliches Zieldatum für die Euro-Einführung. Vor einer Einführung müssen die Konvergenzkriterien erfüllt und mindestens zwei Jahre am Wechselkursmechanismus II teilgenommen werden.