Stand Oktober 2026: Rumänien will den Euro bis 2035 einführen. Das sagte der amtierende Finanzminister Alexandru Nazare am 29. September 2026. Voraussetzung sei, dass das Land 2030 aus dem EU-Defizitverfahren herauskommt. Der Leu ist nicht im Wechselkursmechanismus II, ein Antrag liegt nicht vor. Hinter der Ansage steht allerdings eine Regierung ohne gesicherte Mehrheit: Das Kabinett ist seit Mai 2026 nur geschäftsführend im Amt.
Rumänien ist seit 2007 EU-Mitglied und hat kein Opt-out. Es ist also grundsätzlich verpflichtet, den Euro einzuführen, sobald es die Konvergenzkriterien erfüllt.
Wo Rumänien bei den Kriterien steht
- Preisstabilität: Die Inflation lag beim EZB-Konvergenzbericht vom Juni 2026 deutlich über dem Referenzwert von 2,7 %.
- Öffentliche Finanzen: Defizitverfahren seit 2020 aktiv, Ausstieg laut Regierungsplan 2030.
- Langfristige Zinsen: Mit 6,7 % deutlich über dem Referenzwert von 5,1 %.
- Wechselkurs: Kein WKM II, die zwei Pflichtjahre dort stehen aus.
Eine Reihe verfehlter Zieldaten
Rumänische Regierungen haben seit dem EU-Beitritt immer wieder Termine für den Euro genannt und wieder verworfen – darunter 2015, 2017, 2019, 2022 und zuletzt 2026. Keiner wurde gehalten. Gründe waren eine über Jahre zu hohe Inflation und ein strukturelles Haushaltsdefizit. 2035 ist das erste Ziel, das ausdrücklich an eine Reihenfolge geknüpft ist: erst den Haushalt sanieren, dann in den WKM II, dann der Euro.
Rumäniens Weg zum Euro im Detail
EU-Beitritt und erste Zieldaten (2007–2010)
Rumänien trat der EU 2007 bei, mit hoher Inflation und einem spürbaren Leistungsbilanzdefizit im Gepäck. 2008 lag die Teuerung bei rund 7 % und damit mehr als doppelt so hoch wie im EU-Schnitt. Die Regierung in Bukarest rechnete deshalb frühestens 2012 mit dem Beitritt zum Wechselkursmechanismus II und legte einen entsprechenden Plan bei der EU-Kommission vor. Anfang 2008 warnte EU-Währungskommissar Joaquín Almunia vor einem wachsenden Haushaltsdefizit, das zu einem ernsthaften Problem werden könnte. Auch Zentralbankchef Mugur Isărescu sah das gesetzte Zieldatum in Gefahr, sollte in den Folgejahren keine dauerhafte Senkung der Inflation gelingen. Unter dem Druck von Notenbank und Kommission kündigte Premierminister Călin Popescu-Tăriceanu ein milliardenschweres Sparpaket an, um Defizit und Inflation gleichzeitig einzudämmen – ein Muster aus Ankündigung und halbherziger Umsetzung, das sich in den folgenden anderthalb Jahrzehnten wiederholen sollte.
Verschobene Zieldaten (2010–2017)
Die Finanzkrise durchkreuzte die Pläne. Rumänien visierte zunächst 2015 an, dann warnte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn 2010, die Krise könnte auch dieses Ziel gefährden. In den Folgejahren gingen Staatsspitze und Regierung offen auseinander: Staatspräsident Traian Băsescu hielt 2017 für den idealen Zeitpunkt und drängte auf ein konkretes Datum als politisches Signal, Premierminister Victor Ponta wollte dagegen auf 2019 verschieben und sogar ganz auf ein festes Datum verzichten. Bevor der Euro kommen könne, müsse das Land ohnehin erst offiziell dem Wechselkursmechanismus II beitreten und die Konvergenzkriterien erfüllen, hieß es damals aus Bukarest übereinstimmend. Im Spätsommer 2017 setzte Außenminister Teodor Meleșcanu einen neuen Marker: Der Euro solle 2022 kommen, die Konvergenzkriterien seien nach eigenen Angaben schon erfüllt. Für diesen Zeitplan hätte Rumänien spätestens 2020 dem WKM II beitreten müssen – auch das blieb aus.
Das Defizitverfahren und das verpasste Ziel 2026 (2020–2025)
Seit 2020 läuft gegen Rumänien ein EU-Verfahren wegen eines übermäßigen Defizits. 2023 kündigte der damalige Finanzminister Adrian Câciu an, den Euro schon 2026 einführen zu wollen – ein Ziel, das angesichts der Haushaltslage rasch unrealistisch wurde. 2024 erreichte das gesamtstaatliche Defizit rund 9,3 % des BIP, einen der höchsten Werte in der EU. Nach der Wahl von Nicușor Dan zum Staatspräsidenten im Mai 2025 trat im Juni 2025 eine Regierung unter Ministerpräsident Ilie Bolojan an. Sie drückte das Defizit durch Steuererhöhungen und gestrichene Subventionen auf rund 7,9 % im Jahr 2025 und plante zusätzlich eine Verschlankung der Verwaltung sowie Teilprivatisierungen verlustreicher Staatsbetriebe – damit lag das Defizit aber immer noch weit über der 3-%-Grenze.
Regierungskrise 2026 und das neue Ziel 2035
Bolojans Sparkurs kostete ihn die Mehrheit: Die sozialdemokratische PSD zog im April 2026 ihre Unterstützung zurück und begründete das mit Meinungsverschiedenheiten über die Reformpläne. Am 5. Mai 2026 stürzte ein gemeinsam von PSD und der rechtsnationalen AUR eingebrachtes Misstrauensvotum die Regierung. Sie blieb seither als Übergangsregierung im Amt, eine neue parlamentarische Mehrheit fand sich über Monate nicht. Ein von Siegfried Mureșan vorgeschlagenes Kabinett scheiterte am 30. September 2026 im Parlament deutlich – 182 von den nötigen 233 Stimmen kamen zusammen. Damit war Rumänien knapp fünf Monate nach dem Sturz der Vorgängerregierung weiterhin ohne reguläre Regierung. Mitten in dieser Hängepartie äußerte sich Finanzminister Alexandru Nazare, der dem Bolojan-Kabinett seit Juni 2025 angehört und auch im Übergangskabinett im Amt blieb, am 29. September 2026 zum Euro-Ziel 2035. Er begründete das Datum als realistischeren Ersatz für die geplatzten Vorgänger-Termine, gekoppelt an den geplanten Ausstieg aus dem Defizitverfahren bis 2030, und argumentierte, der Euro-Beitritt sei ein besseres Ziel als die reine Haushaltssanierung, weil er auch die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft trainiere. Wie belastbar diese Ansage ist, hängt entsprechend davon ab, ob und wann Rumänien überhaupt wieder eine Regierung mit gesicherter parlamentarischer Mehrheit bekommt – ohne die lässt sich weder ein Haushalt noch ein WKM-II-Antrag durchsetzen.
Zeitleiste
- 2007: EU-Beitritt Rumäniens.
- 2008: Inflation bei rund 7 %, mehr als doppelt so hoch wie der EU-Schnitt.
- 2010: IWF-Chef Strauss-Kahn warnt, die Finanzkrise gefährde das Ziel 2015.
- 2017: Präsident Băsescu nennt 2017 als idealen Zeitpunkt, Premier Ponta bevorzugt 2019.
- Spätsommer 2017: Außenminister Meleșcanu nennt 2022 als neues Zieljahr.
- 2020: EU eröffnet Defizitverfahren gegen Rumänien.
- 2023: Finanzminister Câciu kündigt Euro-Einführung für 2026 an.
- 2024: Gesamtstaatliches Defizit erreicht rund 9,3 % des BIP.
- Juni 2025: Regierung Bolojan tritt an, Nazare wird Finanzminister.
- 2025: Defizit sinkt durch Sparkurs auf rund 7,9 % des BIP.
- 5. Mai 2026: Misstrauensvotum stürzt die Regierung Bolojan, sie bleibt geschäftsführend im Amt.
- 24. Juni 2026: EZB-Konvergenzbericht bescheinigt Rumänien, die Kriterien nicht zu erfüllen.
- 30. September 2026: Vorgeschlagenes Kabinett Mureșan scheitert im Parlament.
- 29. September 2026: Finanzminister Nazare nennt 2035 als Euro-Ziel, Voraussetzung: Ausstieg aus dem Defizitverfahren bis 2030.
Quellen
- EZB: Konvergenzbericht, Juni 2026
- Europäische Kommission: Convergence Report 2026 (PDF)
- Wikipedia: Romania and the euro
- Wikipedia: Ilie Bolojan
- ms-aktuell.de: Rumänien – Regierungsbildung, 30.09.2026
Künftige Euromünzen
Zur konkreten Gestaltung künftiger Euromünzen dieses Landes ist bislang nichts bekannt – die nationalen Münzmotive werden erst im Zuge eines Euro-Beitritts festgelegt.
Stand: 01. Oktober 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr · Über uns
Häufige Fragen zu Rumänien und dem Euro
Hat Rumänien den Euro?
Nein. Rumänien hat den Euro bisher nicht eingeführt. Die aktuelle Währung ist Leu.
Welche Währung hat Rumänien?
Die offizielle Währung von Rumänien ist Leu.
Ist Rumänien in der EU?
Rumänien ist Mitglied der Europäischen Union (seit 2007).
Wann führt Rumänien den Euro ein?
Für Rumänien wird der Euro frühestens für 2035 diskutiert. Ein verbindliches Datum gibt es nicht; zunächst müssen die Konvergenzkriterien erfüllt werden.