Stand Oktober 2026: Lettland nutzt seit dem 1. Januar 2014 den Euro und ersetzte damit den Lats. Der Weg dorthin führte über eine der schwersten Rezessionen der EU: Statt den Lats abzuwerten, hielt Lettland an der festen Euro-Bindung fest und erfüllte die Konvergenzkriterien erst nach einem harten Sparkurs – gegen anhaltende Skepsis in der eigenen Bevölkerung.
EU-Beitritt und Weg zum Euro
Lettland trat 2004 der Europäischen Union bei. In den Jahren danach erlebte das Land einen kreditgetriebenen Wirtschaftsboom, dem 2008/2009 eine der schwersten Rezessionen innerhalb der EU folgte. Lettland entschied sich gegen eine Abwertung des Lats und hielt an der Euro-Bindung fest – ein wirtschaftspolitisch strenger Kurs, der das Land letztlich in eine gute Ausgangsposition für die Eurozone brachte.
WKM II und Konvergenz
Lettland trat am 2. Mai 2005 dem Wechselkursmechanismus II bei. Der Lats wurde mit einem Leitkurs von 0,702804 Lats je Euro eng an die Gemeinschaftswährung gekoppelt und blieb über den gesamten Beobachtungszeitraum stabil. Die wirtschaftliche Anpassungsleistung nach der Krise 2008/2009 ermöglichte es Lettland, die Konvergenzkriterien zu erfüllen.
Im Juni 2013 empfahl die EU-Kommission im Konvergenzbericht die Aufnahme Lettlands in die Eurozone, am 9. Juli 2013 bestätigte der EU-Finanzministerrat den Beschluss zur Euro-Einführung zum 1. Januar 2014. Der Umrechnungskurs blieb bei 0,702804 Lats je Euro – demselben Kurs, der seit 2005 als Leitkurs im WKM II gegolten hatte.
Lettlands Weg zum Euro im Detail
Boom, Beitritt zum WKM II und erste Zieldaten
Lettland trat 2004 der Europäischen Union bei und nahm am 2. Mai 2005 am Wechselkursmechanismus II teil, mit einem Leitkurs von 0,702804 Lats je Euro und der üblichen Schwankungsbreite von ±15 %. Wirtschaftsminister Artūrs Krišjānis Kariņš nannte damals den 1. Januar 2008 als realistisches Zieldatum für die Euro-Einführung – man wolle den Euro „so schnell wie möglich“ einführen. Die Wirtschaft wuchs zu dieser Zeit zweistellig, getrieben von einem Kredit- und Immobilienboom – mit der Folge einer Inflation, die 2007 bei rund 15 % lag und damit die höchste in der gesamten EU war. Bereits Anfang 2006 war absehbar, dass Lettland das Inflationskriterium bis 2008 nicht einhalten würde. Finanzminister Oskars Spurdziņš kündigte im Mai 2006 an, wegen der hohen Inflationsprognosen eine Verschiebung des Zieldatums zu empfehlen; im Frühjahr 2006 hatte die Regierung sogar kurzzeitig erwogen, den Euro parallel zum Lats als zusätzliche Währung zuzulassen – ein Vorschlag, der nicht weiterverfolgt wurde. EU-Währungskommissar Joaquín Almunia warnte 2007 zusätzlich vor einer Überhitzung der lettischen Wirtschaft und hielt eine baldige Euro-Einführung für unrealistisch.
Finanzkrise und interne Abwertung
2008 platzte der Kreditboom. Die lettische Wirtschaft brach 2009 um rund 14 bis 18 % ein, je nach Berechnungsmethode einer der stärksten Einbrüche in der EU. Ende 2008 verhinderte ein internationales Hilfspaket von insgesamt 7,5 Milliarden Euro – getragen vom IWF, der EU-Kommission, nordischen Nachbarstaaten, Polen und Tschechien – einen Staatsbankrott. Ministerpräsident Valdis Dombrovskis, der sein Amt im Frühjahr 2009 inmitten der Krise übernahm, setzte auf einen strikten Spar- und Reformkurs statt auf eine Abwertung des Lats. Diese „interne Abwertung“ über sinkende Staatsausgaben und Löhne im öffentlichen Sektor war wirtschaftlich und sozial schmerzhaft, drückte aber die zuvor hohe Inflation binnen kurzer Zeit in eine Deflation: 2010 fielen die Verbraucherpreise um 1,2 %, im Februar 2010 zeitweise sogar um 4,3 % im Jahresvergleich. Diese Kehrtwende erfüllte eine zentrale Voraussetzung für den späteren Euro-Beitritt. Lettland zahlte die IWF-Kredite bereits 2012 vorzeitig zurück.
Konvergenzbericht und Ratsbeschluss 2013
Nach Jahren der Konsolidierung erfüllte Lettland bis 2013 alle vier Konvergenzkriterien. Die EU-Kommission empfahl im Juni 2013 im Konvergenzbericht die Aufnahme in die Eurozone, am 9. Juli 2013 bestätigte der ECOFIN-Rat den Beschluss zur Euro-Einführung zum 1. Januar 2014. Lettland wurde damit das 18. Mitglied der Eurozone. Die lettischen Euromünzen ließ die Zentralbank am 31. Juli 2013 in den Münzstätten Karlsruhe und Stuttgart prägen: In Karlsruhe entstanden die 1- und 10-Cent-Stücke sowie die 1-Euro-Münze, in Stuttgart die 2-, 5-, 20- und 50-Cent-Stücke sowie die 2-Euro-Münze – zusammen 400 Millionen Münzen als Erstausstattung für die Bargeldumstellung.
Regierungswechsel zum Jahreswechsel
Ministerpräsident Valdis Dombrovskis, der den Euro-Beitritt über Jahre vorangetrieben hatte, trat am 27. November 2013 nach dem Einsturz eines Supermarktdachs im Rigaer Stadtteil Zolitūde mit 54 Todesopfern zurück und übernahm damit die politische Verantwortung für die Tragödie. Er blieb bis zum Amtsantritt seiner Nachfolgerin Laimdota Straujuma am 22. Januar 2014 geschäftsführend im Amt. Die Euro-Einführung zum 1. Januar 2014 selbst fiel damit noch in seine Amtszeit; den politischen Übergang zur neuen Regierungschefin musste das Land erst Wochen nach der Währungsumstellung bewältigen.
Skepsis in der Bevölkerung
Anders als im Nachbarland Estland war die Zustimmung zum Euro in Lettland gering. Eine Umfrage von Anfang 2013 ergab, dass nur rund ein Drittel der Bürgerinnen und Bürger die Euro-Einführung befürwortete. Kurz vor der Umstellung zeigte eine Erhebung des Meinungsforschungsinstituts SKDS sogar eine noch deutlichere Ablehnung: 53 % sprachen sich gegen den Währungswechsel aus, nur 22 % dafür. Die Regierung unter Dombrovskis hielt dennoch am Zeitplan fest und begründete dies mit den wirtschaftlichen Vorteilen der Teilnahme an der Währungsunion – insbesondere mit größerer Stabilität für ein Land, das wenige Jahre zuvor an den Rand des Staatsbankrotts geraten war.
Zeitleiste
- 2004 (1. Mai): EU-Beitritt Lettlands.
- 2005 (2. Mai): Beitritt zum Wechselkursmechanismus II, Leitkurs 0,702804 Lats je Euro.
- 2006: Wirtschaftsminister nennt 2008 als Zieldatum, später wegen hoher Inflation verschoben.
- 2007: Inflation erreicht rund 15 % – die höchste in der EU.
- 2008: Ausbruch der globalen Finanzkrise, Ende des Kreditbooms.
- 2008/2009: Internationales Hilfspaket über 7,5 Milliarden Euro verhindert Staatsbankrott.
- 2009: BIP bricht um rund 14 bis 18 % ein; Ministerpräsident Dombrovskis setzt auf internen Sparkurs statt Abwertung.
- 2012: Lettland zahlt die IWF-Kredite vorzeitig zurück.
- 2013 (Juni): Konvergenzbericht der EU-Kommission empfiehlt die Euro-Einführung.
- 2013 (9. Juli): ECOFIN-Rat beschließt Euro-Einführung zum 1. Januar 2014.
- 2013 (31. Juli): Prägung der ersten lettischen Euromünzen in Karlsruhe und Stuttgart.
- 2013 (27. November): Ministerpräsident Dombrovskis tritt nach dem Supermarkt-Dachunglück in Riga zurück.
- 2014 (1. Januar): Euro-Einführung, Lettland wird 18. Mitglied der Eurozone.
- 2014 (22. Januar): Laimdota Straujuma übernimmt das Amt der Ministerpräsidentin.
Quellen
- EUR-Lex: Ratsbeschluss zur Euro-Einführung in Lettland (2013/387/EU)
- Konrad-Adenauer-Stiftung: Lettland ohne Dombrovskis
- Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Lettland – Euro-Skeptiker gewinnen Wahlen, Regierung zieht Beitritt durch
- Münzenwoche: Baden-Württemberg prägt 400 Millionen Euro-Münzen für Lettland
Euromünzen (seit 2014)
Euromünzen tragen eine einheitliche europäische Wertseite und eine national gestaltete Rückseite. Lettland trat der Eurozone am 1. Januar 2014 bei. Die Motivauswahl knüpft bewusst an historische Vorbilder der lettischen Münzkunst an.
1, 2 und 5 Cent zeigen das kleine Staatswappen Lettlands, entworfen von Laimonis Šēnbergs nach einer Vorlage von Rihards Zariņš aus der Zeit der ersten Unabhängigkeit (1918).
10, 20 und 50 Cent tragen das große Staatswappen der Republik Lettland – ebenfalls nach der historischen Vorlage von Zariņš.
1 und 2 Euro zeigen „Milda”, die lettische Freiheitsfigur in traditioneller Tracht. Das Motiv geht auf die bekannte 5-Lats-Silbermünze von 1929 zurück, die Rihards Zariņš gestaltet hatte. Die junge Frau gilt als Symbol für Freiheit, nationale Identität und staatliche Unabhängigkeit Lettlands. Die Neuinterpretation für die Euromünzen stammt von Guntars Sietiņš.
Die Wahl von Milda war bewusst: Das Motiv knüpft an eine der bekanntesten lettischen Münzen überhaupt an und schlägt eine Brücke zwischen der Zwischenkriegsrepublik und dem heutigen Euro-Lettland.








Stand: 01. Oktober 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr · Über uns
Häufige Fragen zu Lettland und dem Euro
Hat Lettland den Euro?
Ja. Lettland hat den Euro am 1. Januar 2014 eingeführt und nutzt ihn als offizielles Zahlungsmittel.
Welche Währung hat Lettland?
Die offizielle Währung von Lettland ist Euro (zuvor Lats).
Ist Lettland in der EU?
Lettland ist Mitglied der Europäischen Union (seit 2004).
Was zeigen die Euromünzen von Lettland?
Die lettischen Cent-Münzen tragen das Staatswappen, die 1- und 2-Euro-Münze die Volksallegorie „Milda", ein lettisches Mädchen.