Flagge Andorra

Andorra und der Euro

Euro per Abkommen

Stand Oktober 2026: Andorra nutzt den Euro als offizielle Währung, ist aber weiterhin kein EU-Mitglied. Grundlage bleibt das Währungsabkommen von 2011. Neu ist der Stand bei der EU-Anbindung insgesamt: Der Rat der EU hat am 16. Juli 2026 die Unterzeichnung eines umfassenden Assoziierungsabkommens mit Andorra und San Marino freigegeben, das Europäische Parlament hatte im Februar 2026 bereits zugestimmt. Das Abkommen soll Andorra einen Zugang zum EU-Binnenmarkt geben, der etwa dem Norwegens oder Islands entspricht – ohne EU-Mitgliedschaft.

Sonderstatus: Euro ohne EU-Mitgliedschaft

Andorra hat den Euro nicht im Rahmen einer Eurozone-Mitgliedschaft eingeführt, sondern auf Basis eines bilateralen Währungsabkommens mit der EU. Andorra ist damit kein Mitglied des Wechselkursmechanismus II und erfüllt keine Konvergenzkriterien im üblichen Sinne – der Weg über ein Abkommen ist rechtlich ein anderer als die Eurozone-Mitgliedschaft der EU-Staaten.

Andorras Weg zum Euro im Detail

Euro ohne Vertrag (bis 2011)

Andorra hatte schon vor jeder vertraglichen Grundlage faktisch eine europäische Währung im Umlauf: Mangels eigener Notenbank und eigener Währung nutzte das Fürstentum traditionell den französischen Franc und die spanische Peseta parallel. Das hängt mit der politischen Verfasstheit des Kleinstaats zusammen: Andorra ist ein Co-Fürstentum, dessen Staatsoberhäupter der französische Staatspräsident und der spanische Bischof von Urgell sind – eine historische Konstruktion, die auch die enge währungspolitische Anlehnung an beide Nachbarstaaten erklärt. Als Frankreich und Spanien 2002 auf den Euro umstellten, übernahm Andorra automatisch auch die neue Gemeinschaftswährung – ohne jede rechtliche Grundlage oder Mitspracherecht bei deren Gestaltung.

Druck durch die OECD ebnet den Weg (2008–2009)

Dass die EU überhaupt bereit war, mit Andorra über eine vertragliche Euro-Nutzung zu verhandeln, hängt mit der internationalen Steuerdebatte jener Jahre zusammen. Im Oktober 2008 führte die OECD Andorra zusammen mit Liechtenstein und Monaco auf einer Liste wenig kooperativer Steuerjurisdiktionen. Unter diesem Druck verpflichtete sich Andorra 2009 zum Austausch von Steuerinformationen nach OECD-Standard; im Mai 2009 strich die OECD das Fürstentum von der grauen Liste. Diese Öffnung bei Transparenz- und Aufsichtsfragen schuf die politische Grundlage für das nachfolgende Währungsabkommen mit der EU.

Das Währungsabkommen von 2011

Das Währungsabkommen zwischen der Europäischen Union und dem Fürstentum Andorra wurde am 30. Juni 2011 unterzeichnet und trat am 1. April 2012 in Kraft. Es erkennt den Euro offiziell als Währung Andorras an und verpflichtet das Land im Gegenzug, zentrale EU-Vorschriften in den Bereichen Bankenaufsicht, Geldwäscheprävention und Falschgeldbekämpfung zu übernehmen. Die begonnene Öffnung setzte sich danach fort: Ende 2016 schaffte Andorra auf weiteren EU-Druck das Bankgeheimnis ab und führte ab Januar 2018 den automatischen Informationsaustausch über Konten ausländischer Kundinnen und Kunden ein.

Verzögerter Start eigener Münzen (2012–2014)

Das Abkommen räumte Andorra das Recht ein, ab dem 1. Juli 2013 eigene Euromünzen im Umfang von bis zu 2,4 Millionen Euro pro Jahr zu prägen. Die EU erteilte die technische Freigabe für die konkreten Münzmotive jedoch erst im Dezember 2013, sodass sich die Ausgabe verschob. Am 29. Dezember 2014 gab Andorra seine ersten eigenen Kursmünzen aus, geprägt in Spanien; Frankreich erhielt den Prägeauftrag erst für den Jahrgang 2015. Ab Januar 2015 kamen rund 80 % der Auflage gemischt mit spanischen Münzen in Umlauf, die übrigen 20 % gingen als Kursmünzensätze mit einer auf 70.000 Stück begrenzten Auflage an Sammlerinnen und Sammler. Seither gehören andorranische Centstücke zu den gesuchtesten Sammlermünzen der Eurozone, weil die Jahresauflage im EU-Vergleich gering ist.

Assoziierungsabkommen als nächster Integrationsschritt (2024–2026)

Unabhängig von der Währungsfrage verhandelte die EU seit Jahren mit Andorra und San Marino über ein umfassendes Assoziierungsabkommen zum EU-Binnenmarkt. Die EU-Kommission meldete den Abschluss der Verhandlungen im April 2024. Das Europäische Parlament stimmte im Februar 2026 mit 552 zu 24 Stimmen bei 75 Enthaltungen zu, der Rat der EU gab am 16. Juli 2026 grünes Licht für Unterzeichnung und vorläufige Anwendung. Das Abkommen soll Andorra und San Marino einen Status am EU-Binnenmarkt verschaffen, der dem Norwegens, Islands oder Liechtensteins ähnelt – der Zugang für Finanzdienstleistungen soll dabei schrittweise erfolgen und von einer Prüfung der andorranischen Finanzaufsicht abhängen. Mit der Währungsfrage hat das Abkommen nichts zu tun: Die bleibt weiterhin über das separate Abkommen von 2011 geregelt. Für Andorras auf Tourismus, Einzelhandel und Finanzdienstleistungen ausgerichtete Wirtschaft ist der Binnenmarktzugang dennoch von erheblicher Bedeutung, weil er den freien Waren-, Dienstleistungs- und teilweise Kapitalverkehr mit den umliegenden EU-Staaten erleichtern soll, ohne dass Andorra dafür der EU beitreten müsste.

Zeitleiste

  • 2002: Frankreich und Spanien führen den Euro ein, Andorra übernimmt ihn faktisch ohne Vertrag.
  • Oktober 2008: Die OECD führt Andorra auf einer Liste wenig kooperativer Steuerjurisdiktionen.
  • 2009: Andorra verpflichtet sich zum Steuerinformationsaustausch nach OECD-Standard und wird im Mai von der grauen Liste gestrichen.
  • 30. Juni 2011: Unterzeichnung des Währungsabkommens zwischen EU und Andorra.
  • 1. April 2012: Das Währungsabkommen tritt in Kraft, der Euro wird offiziell Andorras Währung.
  • 1. Juli 2013: Vertraglicher Starttermin für eigene andorranische Euromünzen.
  • Dezember 2013: Die EU erteilt die technische Freigabe für die Münzmotive – mit Verspätung.
  • 29. Dezember 2014: Andorra gibt seine ersten eigenen Euromünzen aus.
  • Januar 2015: Die ersten andorranischen Münzen kommen in Umlauf.
  • Ende 2016: Andorra schafft das Bankgeheimnis ab.
  • Januar 2018: Automatischer Informationsaustausch über Bankkonten ausländischer Kundschaft tritt in Kraft.
  • April 2024: EU-Kommission meldet Abschluss der Verhandlungen über das Assoziierungsabkommen.
  • Februar 2026: Das Europäische Parlament stimmt dem Assoziierungsabkommen zu.
  • 16. Juli 2026: Der Rat der EU billigt Unterzeichnung und vorläufige Anwendung des Abkommens.

Quellen

Euromünzen (seit 2014)

Euromünzen tragen eine einheitliche europäische Wertseite und eine national gestaltete Rückseite. Andorra ist kein EU-Mitglied, gibt jedoch seit dem 29. Dezember 2014 eigene Euromünzen auf Basis eines Währungsabkommens mit der Europäischen Union aus. Zuvor hatte das Pyrenäen-Fürstentum den Euro bereits de facto genutzt, ohne eigene Münzen prägen zu dürfen.

Die nationalen Motive gliedern sich in drei Gruppen:

1, 2 und 5 Cent zeigen Tiere der andorranischen Pyrenäenlandschaft – eine Gämse und einen Bartgeier als Symbole der heimischen Fauna.

10, 20 und 50 Cent tragen das Bild der Kirche Santa Coloma, einer der ältesten romanischen Kirchen Andorras aus dem 9. Jahrhundert, mit ihrem charakteristischen runden Glockenturm.

1 Euro zeigt die Casa de la Vall, den historischen Sitz des andorranischen Parlaments in Andorra la Vella, der dieses Amt von 1702 bis 2011 innehatte.

2 Euro trägt das Staatswappen Andorras mit dem Nationalmotto: Virtus unita fortior – „Vereint ist die Stärke größer.” Das Wappen verweist auf die co-fürstliche Tradition: Der Bischof von Urgell und der französische Staatspräsident als Ko-Fürsten sind darin symbolisch verankert.

Andorranische Münzen sind in der Eurozone gesetzliches Zahlungsmittel, werden aber aufgrund ihrer geringen Auflage von Sammlern besonders geschätzt.

Euromünze 2 Euro andorra – nationale Seite
2 Euro
Euromünze 1 Euro andorra – nationale Seite
1 Euro
Euromünze 50 Cent andorra – nationale Seite
50 Cent
Euromünze 20 Cent andorra – nationale Seite
20 Cent
Euromünze 10 Cent andorra – nationale Seite
10 Cent
Euromünze 5 Cent andorra – nationale Seite
5 Cent
Euromünze 2 Cent andorra – nationale Seite
2 Cent
Euromünze 1 Cent andorra – nationale Seite
1 Cent

Stand: 01. Oktober 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr · Über uns

Häufige Fragen zu Andorra und dem Euro

Hat Andorra den Euro?

Ja. Andorra nutzt den Euro, allerdings nicht als EU-Mitglied, sondern auf Basis eines Währungsabkommens mit der Europäischen Union.

Welche Währung hat Andorra?

Die offizielle Währung von Andorra ist Euro.

Ist Andorra in der EU?

Andorra ist kein EU-Mitglied, nutzt den Euro aber auf Basis eines Währungsabkommens mit der EU.

Was zeigen die Euromünzen von Andorra?

Andorras Münzen zeigen Motive der Natur und der romanischen Baukunst des Landes sowie das andorranische Staatswappen mit dem Wahlspruch „virtus unita fortior".